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Adelheid von Stösser Jahrgang 1953, verheiratet, drei Kinder. Meine berufliche Laufbahn begann 1970 mit der Ausbildung zur Krankenschwester. Nach mehreren Jahren Berufspraxis, zuletzt als stv. Stationsleitung auf einer großen internistischen Stadion, erwarb ich die Qualifikation zur Lehrerin für Pflegeberufe und war anschließend sechs Jahre in der Aus- ,Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften tätig, davon drei Jahre in leitender Funktion. Seit 1986 bin ich freiberuflich tätig, zunächst als Leiterin mehrjähriger Umstrukturierungsprojekte an den Unikliniken in Tübingen, Heidelberg und Ulm. Dabei ging es schwerpunktmäßig darum, den gesamten Stationsablauf von der damals noch reinen Funktionspflege auf Bezugspflege umzustellen, einschließlich der Dokumentation. In die Projekte waren zuletzt rund 60 Stationen aller Fachbereiche einbezogen. Die Erfolgsrate lag bei fast 80%. Nach der Veröffentlichung meines Konzeptes, erschienen im Springer Verlag, unter dem Titel: Pflegestandards: Erneuerung der Pflege durch Veränderung der Standards, brauchte ich weitere Mitarbeiter um die vielen Anfragen nach Beratung und Fortbildung zur Thematik bewältigen zu können. Zeitweise befand ich mich jede Woche in einem anderen Krankenhaus, vor einer anderen Gruppe von Pflegepersonen und versuchte diese dazu zu motivieren, einige ihrer gewohnten alten Standards loszulassen, um Raum für neue zu schaffen. Ein mühsames Unterfangen, welches vielfältige Überzeugungsarbeit erforderte. Denn die zahlreichen Einwände, warum dieses oder jenes unmöglich in die Praxis umgesetzt werden kann, ließen sich nicht einfach per Dienstanweisung abstellen. Am überzeugendsten wirkten dabei praktische Beispiele, etwa in Form von Hospitation auf jenen Stationen, die den Umstrukturierungsprozess weitgehend schon bewältigt hatten. Zur Geschichte der Stösses-Standards: Ein zweiter Schwerpunkt war die Entwicklung von Pflegestandards. Für mich stand 1980 bereits fest, dass eine individuelle Pflegeplanung und -dokumentation frühestens dann umgesetzt werden kann, wenn das, was die Pflege generell anbietet, definiert ist. Bei meiner praktischen Veranlagung sträubten sich mir die Haare, angesichts der ellenlangen Pflegepläne in Fachzeitschriften oder Büchern. "So was kann doch kein Mensch auf Station umsetzen. Was macht das für einen Sinn, immer wieder das gleiche Programm hinzuschreiben, wenn z.B. ein Patient zu einer bestimmten Operation eingeliefert wird. Ist es da nicht viel einfacher die übliche Verfahrensweise, je nach Operationsart oder Krankheitsbild, in Form eines generellen Pflegeplanes niederzuschreiben, so dass in der Patientendokumentation nur die davon abweichenden bzw. zusätzlichen Maßnahmen aufgeführt werden brauchen?" Von dieser Überlegung ausgehend, hatte ich schon vor meiner freiberuflichen Zeit einzelne Standardpflegepläne und Muster für eine individuell geplante, vollständige Patientendokumentation erstellt. Eine Pflegedokumentation auf der Grundlage von Standards, darauf konnten sich Pflegedienstleitungen und Stationsleitungen einlassen. Das erschien ebenso sinnvoll wie praktikabel. Ausschlaggebend für die Projektaufträge, war die Konzeption. Davon waren sogar Chefärzte und Verwaltungsleiter angetan. Das Konzept spricht für sich. Es handelt sich um ein Organisationsinstrument, wie es in jedem gut geführten, erfolgreichen Unternehmen gefunden werden kann. Denn Qualitätsentwicklung beruht auf Standardentwicklung, mithin auf verbindlich definierten Standards, die bei Bedarf verbessert oder neuen Ideen und Gegebenheiten angepasst werden. Hinter meinem Konzept steht also weder eine Ideologie noch eine Pflegetheorie oder ein Modell, sondern ein weltweit erfolgreich praktiziertes Qualitätssicherungsverfahren. An der Konzeption war nicht unwesentlich auch mein Mann beteiligt, der als Manager bei Procter&Gamble, einem amerikanischen Unternehmen, unter anderem für Qualitätsentwicklung/-sicherung zuständig war. Pflegestandards sind so alt wie die Pflege selbst. Neu ist lediglich die Forderung, Art, Umfang und Qualität der Pflege schriftlich zu definieren und die praktische Umsetzung sicher zu stellen. Jahre bevor das Pflegeversicherungsgesetz spruchreif wurde, habe ich in Seminaren, Vorträgen und Veröffentlichungen erklärt: "Irgendwann wird auch jeder Pflegemitarbeiter die Qualität seiner Arbeit nachweisen müssen, und ich hoffe, dass dies bald der Fall ist. Denn die Pflege kann aus ihrem Dauer-Notstand nicht herauskommen, solange jeder nach seinem Gutdünken herumlaboriert und es niemanden interessiert, wie effektiv die Arbeit ist, die tagtäglich geleistet wird oder welche Resultate damit erzeugt werden." Mit dieser Meinung stand ich lange Zeit ziemlich alleine da, um nicht zu sagen konträr zu den Ansichten, die von Berufsverbänden und Weiterbildungsinstitutionen verbreitet wurden. Vor allem 'Pflegetheoretikerinnen' an den Hochschulen sahen in meinem Ansinnen einen Widerspruch zur ganzheitlich individuellen Pflege, die sie glauben, nur mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden gewährleisten zu können. Doch während deutsche PflegewissenschaftlerInnen noch vorwiegend mit organisatorischen Fragen in eigener Sache beschäftigt waren, nahm eine aus Übersee importierte Pflegetheorie Einzug in deutschsprachige Krankenpflegeschulen. Über das Lehrbuch von Liliane Juchli, den sog. "Juchli', fand das Modell der Lebensaktivitäten (Nancy Roper et.al.), in abgewandelter Form, rasche Verbreitung. Viele Lehrkräfte sahen darin die lang herbeigesehnte Grundlage zur Definition ganzheitlicher Pflege. Mit großem Eifer setzen sich zahlreiche Kollegen hin, um Pflegepläne in modellgemäßer Form zu entwickeln. Wenige Jahre später wurden eigens darauf abgestellte Dokumentationsformulare eingeführt, und wer noch nicht vertraut war mit der Pflegeplanung nach ATL, ADL, AL, AEDL oder einer hausspezifischen Modellvariation, wurde zu entsprechenden Seminaren geschickt. So zeichnete sich bereits Ende der achtziger Jahre die Entwicklung ab, die leider dann auch eingetreten ist. Ungeachtet aller Umsetzungsschwierigkeiten und ohne je geprüft zu haben, ob eine andere Konzeption vielleicht besser geeignet wäre, beherrscht diese Theorie inzwischen alle Lehrbücher und Fachpublikationen, so dass den LehrerInnen kaum etwas anderes übrig bleibt, als auf Biegen oder Brechen sämtliche Pflegeinhalte den ATL/AEDL etc. zuzuordnen. Mittlerweile findet man beinahe niemanden in der Pflege mehr, der seine Zweifel an dieser Praxis äußert, denn wer es wagt am Raster der ATL zu rütteln, wird sogleich disqualifiziert, seit die Überzeugung vorherrscht, nur über diesen Wege ganzheitliche Pflege erreichen zu können. Nach meiner Erfahrung führt dieser Weg jedoch ins genaue Gegenteil. Abgesehen davon, dass der Dokumentationsaufwand nach ATL/AEDL in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, der damit bestenfalls erzielt werden kann. In einem Artikel: "ATL: Die Pflege eines pflegebedürftigen Pflegemodells" (erschienen in der Deutschen Krankenpflege Zeitschrift, 1/92) habe ich erstmals auf den Unsinn von 'ATL- Pflegeplänen hingewiesen. Doch so wie dieser trafen alle weiteren Appelle bislang auf taube Ohren. Auf den kürzesten Nenner gebracht, besteht der Unterschied zwischen meinem Pflegekonzept und der Orientierung an diesem Modell, darin, dass ich von der Frage ausgehe: "Wo liegen die Zusammenhänge?" 'ATL- Pflegepläne' erklären hingegen jedes Defizit in den Lebensaktivitäten zu einem eigenständigen Pflegeproblem, für das Ziele und Maßnahmen geplant werden. Es wird nicht danach gefragt, wie das Eine mit dem Anderen zusammenhängt und nicht bedacht, inwieweit Defizite in einem Bereich andere Bereiche in Mitleidenschaft ziehen. Primäre und sekundäre Symptome werden gleichrangig aufgelistet und schematisch abgehandelt. Statt Synthese, Ganzheitlichkeit durch Vernetzung aller erkennbaren Faktoren, anzustreben, wählt man mit diesem Modell ein rein analytisches, symptomorientiertes Verfahren. Damit hat die Pflege im Prinzip den gleichen Weg eingeschlagen, auf dem sich die Medizin seit langem befindet. Und so wie die Medizin selten in der Lage ist, Krankheiten wirklich zu heilen, weil sie nicht die Ursachen, sondern die Symptome behandelt, wird auch die Pflege auf diese Weise an den eigentlichen Problemen vorbeiagieren. Näheres finden Sie unter Literatur. Zunehmend musste ich in den neunziger Jahren erleben, wie Schwestern und Pfleger in der Praxis hin und her gerissen waren, zwischen der Begeisterung für mein Konzept und der scheinbaren Verpflichtung nach einer Pflegedokumentation im ATL/ AEDL Format. Da ich nichts unterstütze, was mir unsinnig erscheint, weigere ich mich, unsere Standardpflegepläne diesem Modell-Format anzupassen. Dies ist der Grund, warum die 'Stösser-Standards' in der Fachliteratur heute kaum Erwähnung finden und ich seit 1999 keine Seminare und hausinternen Fortbildungen mehr anbiete, sondern mich einem anderen Bereich zugewandt habe. Trotzdem sind unsere Vorlagen zur Entwicklung hauseigener Standards, bis heute gefragt. In der Praxis weiß man den Wert dieses Angebotes sehr wohl zu schätzen, wenngleich, wegen der erwähnten Modellorientierung, nur ein Teil der Funktionen genutzt wird. 1994 erschien unsere erste Standardsammlung unter dem Titel: "Qualitätsstandards in der Krankenpflege" im Eigenverlag. Ein Jahr später folgte ein zweiter Buchband, mit Standardpflegeplänen und Notfallstandards für den Krankenhausbereich. Wegen der großen Nachfrage von Altenpflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten, brachten wir 1996 zwei weitere Buchbände mit rund 200 Standardbeschreibungen für die Altenpflege heraus. Siehe Angebot Inzwischen sind rund 30% aller Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Pflegedienste als Lizenznehmer bei uns registriert. Die meisten Anbieter von EDV Programmen für die Pflege, haben sich darauf eingestellt, die 'Stösser-Standards' in ihr System zu integrieren. Zahlreiche Autoren von Pflegefachliteratur zitieren aus meinen Büchern, wobei entsprechende Quellenverweise häufig jedoch fehlen. Einige haben unsere Standardvorlagen, in mehr oder weniger abgewandelter Form, komplett unter ihrem eigenen Namen herausgebracht. Denn tatsächlich tat sich nach der Verabschiedung des Pflegeversicherungsgesetzes ein Markt auf, den man nicht alleine 'Stösser-Standard' überlassen wollte. Jedoch wenn Sie die Angebote vergleichen, werden Sie feststellen, dass unsere Angebot sowohl vom Umfang als auch in Punkto Anspruch, Handhabung und Preis, konkurrenzlos geblieben ist. Kritische Auseinandersetzung mit der Entwicklung in der Pflege Als ich vor rund 15 Jahren begann Standards zu beschreiben, war es noch ziemlich unwahrscheinlich, damit irgendwann Geld verdienen zu können. So ging es mir nicht um den Verkauf von Standards, sondern um eine Verbesserung der Pflege durch Veränderung der Standards, der Rahmenbedingungen wie der Pflegeinhalte. Sofern andere Leistungsbereiche von einer geplanten Änderung im Pflegeangebot oder Stationsablauf betroffen waren, bedurfte es entsprechender Absprachen. Denn wenn der Pflegedienst sein Programm ändern will, müssen alle davon betroffenen Dienste bereit sein, ebenfalls ihr Programm zu ändern, sonst ergeben sich hinterher neue Probleme. Folglich muss man die anderen zunächst einmal überzeugen, dass die geplante Änderung nicht zu letzt auch ihnen zu Gute kommt. Nicht durch Meckern oder Selbstmitleid, noch durch Forderungen oder Kritik lassen sich schlechte Arbeitsbedingungen ändern, sondern nur durch Konzepte, die nach allen Seiten hin durchdacht sind, so dass sie sich für alle Betroffenen vorteilhaft auswirken. Da sich in den Kliniken und Krankenhäusern kein Arzt für den ganzen Menschen zuständig fühlt, sondern jeder nur sein Spezialgebiet abdeckt, wollte ich die Pflege in Richtung psychosozialer Aufgaben stärken. Insbesondere durch die Beschreibung von Standardpflegplänen, in denen Notwendigkeit, Art und Umfang psychosozialer Betreuung, je nach Problemstellung, genau definiert sind. Damit entwickelt man zugleich die Vorraussetzung für eine Erweiterung des pflegerischen Leistungskatalogs, der sich, wie jeder weiß, auf die Grundversorgung des Körpers und die Durchführung ärztlich angeordneter Behandlungen beschränkt. Solange die Pflege nicht darlegen kann, warum sie im vorliegenden Falle andere Schwerpunkte setzt, was sie z.B. zu tun gedenkt bzw. getan hat, um den Kranken aus einer seelischen Krise zu holen und zu welchem Ergebnis ihre Bemühungen führten, wird man von einer ganzheitlichen Pflege nur träumen können. Kein Gesetz, kein Arzt, keine Kasse hat die Pflege auf das heutige Niveau reiner Sachleistungserbringer reduziert. An dieser Entwicklung ist alleine pflegerische Konzeptlosigkeit schuld. Statt ein nach allen Seiten hin durchdachtes Gesamtkonzept zu entwickeln, sieht die Pflege ihre Eigenständigkeit in der Durchsetzung einer eigenen Theorie. "Endlich können wir unser eigenes Ding machen in das uns kein Arzt reinreden kann", so eine der Begründungen mit der an Schulen für das Modell geworben wurde. Nachdem sehr viel Zeit und Gehirnschmalz in die Umsetzung dieser Ideologie gesteckt wurde, und die jüngere Generation Pflegender nichts anderes gelernt hat, als in ATL/AEDL .... Kategorien zu denken, bleibt inzwischen alles andere außen vor. Die einseitige Orientierung an besagtem Modell dürfte nicht nur eines der größten Hindernisse sein, das sich die Pflege in den Weg gestellt hat, sondern hierdurch unterstützt sie das symptomorientierte Gesundheitssystem und damit Abhängigkeitsverhältnisse unbeschreiblichen Ausmaßes. Seit mehr als drei Jahren befasse ich mich mit der Frage nach den Ursachen für die Art und das Ausmaß der Pflegeabhängigkeit im Alter. Wie kommt es, dass die irdische Laufbahn für eine immer größere Zahl in geistiger Umnachtung und völliger Abhängigkeit endet? Selbst wenn man die vielzitierte demoskopische Entwicklung berücksichtigt, also den prozentual höheren Anteil älterer Menschen, bleibt die Frage nach dem unverhältnismäßig hohen Anstieg sog. Demenzfälle oder gerontopsychiatrischer Erscheinungsbilder. Meine bisherigen Recherchen haben die Vermutung bestätigt, dass hier in den allermeisten Fällen ein direkter Zusammenhang zwischen Dauermedikation und typischen Persönlichkeitsstörungen vorliegt. Mehr denn je bin ich überzeugt, dass unser Gesundheitssystem chronische Krankheitsverläufe und Pflegeabhängigkeiten in ungeahntem Ausmaße selbst erzeugt. Hauptursache ist die schon erwähnte Symptomorientierung, bei der nicht der Kranke als Person sondern seine Beschwerden, Laborwerte und andere Untersuchungsergebnisse im Vordergrund stehen. Anstatt zunächst alle natürlichen Hilfsmittel auszuschöpfen, wie z.B. eine gesündere Ernährung, greifen die meisten Ärzte bedenkenlos zum Rezeptblock und verordnen Medikamente zur Unterdrückung des Symptoms. Da die Ursache damit nicht behoben wird und alle Medikamente auf Dauer schädliche Nebenwirkungen haben, benötigt der Patient irgendwann ein weiteres Medikament zur Unterdrückung der Nebenwirkungen. So nimmt der unselige Kreislauf seinen Lauf und endet immer öfter in völliger Wesensveränderung. Pflegende unterstützen solche Kreisläufe, indem sie die angeordneten Medikamente verabreichen und bei zunehmender Unruhe, Schlaflosigkeit, Verstopfung etc. den Arzt bitten, ein weiteres Medikament oder eine höhere Dosis zu verordnen. Sie suchen viel zu selten nach Alternativen und nutzen die ihnen zur Verfügung stehenden natürlichen Hilfemöglichkeiten nicht. Aus meiner Sicht müsste gerade die Pflegeforschung zu aller erst Ursachenforschung betreiben, also den Weg zurückverfolgen der in die Pflegeabhängigkeit führte und dabei nicht zuletzt den Einfluss herkömmlicher Pflege bedenken. Was macht es für einen Sinn, auf der einen Seite einen Dekubitus nach allen Regeln der Kunst verhindert oder geheilt zu haben, auf der anderen Seite aber Medikamente zu verabreichen, die letztlich viel schlimmeres Leid verursachen? Statt in hochtrabenden Theorien nach einem eigenständigen Profil zu suchen, hätten vor allem Kranke mehr davon, würde der hippokratische Grundsatz: Helfen oder wenigstens nicht Schaden, zur obersten Maxime erklärt. Auf pflegewissenschaftlicher Ebene wurde bisher lediglich eine Menge heißer Luft produziert, und mehr Zeit auf die Einübung wissenschaftlicher Sprachgestaltung und Detailuntersuchungen verwendet, als auf elementare Fragen. Wer über seinen eigenen kleinen Bereich hinaussieht, wird mir zustimmen, dass die Forderung nach Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, eine der sinnvollsten Entscheidungen war, die in den letzten Jahrzehnten auf politischer Ebene getroffen wurde. Nur über den Weg regelmäßiger, (selbst) kritischer Auseinandersetzung mit Art und Ergebnis der geleisteten Arbeit, kann man langsam aber stetig bessere (heilsamere) Grundlagen und Inhalte entwickeln. Weder in irgendwelchen Theorien noch in Ideologien, liegt das Potential für eine Aufwertung der Pflege, sondern in der regelmäßigen Auseinandersetzung mit der Qualität von Leistung und Ergebnis. Jeder kann und sollte hierzu beitragen. Qualität muss entwickelt werden, sie lässt sich nicht per Gesetz oder Standardbeschreibung verordnen. Denn die Qualität einer Arbeit wird immer nur so gut oder so schlecht sein, wie sie die betreffenden Personen in der Lage sind, zu erbringen. Nach einer gewissen Anfangseuphorie überwiegt inzwischen allgemeines Stöhnen angesichts der administrativen Mehrbelastung, die mit den bisherigen Qualitätssicherungsbemühungen einhergehen. Was liegt da näher, als auf die Politiker zu schimpfen, die ja keine Ahnung haben was in der Praxis abgeht. Doch diejenigen, denen die eigentliche Schelte gebührt, sind die führenden Köpfe in diversen Gremien, Pflegeverbänden und Schulen. Nicht die Politiker haben festgelegt, nach welchem Modus dokumentiert werden soll, sondern das waren Pflegeexperten. Und diesen ist leider nichts besseres eingefallen, als einer Dokumentation im Stil doppelter Buchführung das Wort zu reden. Wer sich da einen raschen Überblick über die Situation eines Patienten/Bewohners verschaffen will, hat schlechte Karten. Ohne eine spezifische Einweisung in das jeweilige Verfahren blickt keine neue Pflegekraft durch. Mein früher häufig verwendetes Argument, dass die Einarbeitung neuer Mitarbeiter durch eine ausführlichere Patientendokumentation erleichtert würde, hat sich eher ins Gegenteil verkehrt. Genau diese Entwicklung, den heutigen Bürokratismus, hoffte ich verhindern zu können. Doch da sich die Ideologen und Bürokraten durchsetzten, hat sich der Dokumentationsaufwand in den letzten Jahren, trotz EDV-Unterstützung, vervielfacht, und dies, ohne dass die Pflegenden oder Patienten/Bewohner hierdurch nennenswerte Vorteile hätten. Nicht zuletzt aus diesem Grunde nimmt die Unzufriedenheit unter den Pflegenden wieder zu, und irgendwann wohl auch die Bereitschaft, das bestehende Dokumentationsverfahren in Frage zu stellen. Früher oder später wird man sich von der zwanghaften Vorstellung, einer Theorie genügen zu müssen, lösen, und dann vielleicht Qualitätsentwicklung (Standardentwicklung) im eigentlichen Sinne betreiben. So gesehen sind die hier vorgestellten Qualitätsstandards in der Pflege, ihrer Zeit um Jahre voraus. Sie sind keine Modeerscheinung, sondern Qualitätsmaßstäbe zur Gewährleistung angemessener Pflege, die heute wie morgen Gültigkeit besitzen. Angemessen ist die Pflege immer dann, wenn sich die Situation des Kranken durch pflegerische Maßnahmen verbessert oder wenigstens nicht verschlechtert. Theorie hin, Theorie her: Mehr kann Pflege nicht leisten !
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