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Mitglieder des deutschen  Netzwerks für evidenzbasierte Pflege üben  Kritik an den Expertenstandards  in der Pflege  

Die Zeit  uneingeschränkter Zustimmung,  mit der  die  Entwicklung und Einführung der Expertenstandards von den  Fachorganen und Medien  bejubelt  und unterstützt  wird,  scheint zu Ende. Dafür wird hoffentlich  der   im Januar 2006 in der  "Pflegezeitschrift" erschienener Beitrag sorgen.    Diese ungewöhnliche  „Experten -Selbstkritik“ kann ich nur sehr begrüßen, auch weil sie sich in wesentlichen Punkten mit der von mir vielfach geäußerten Meinung deckt.  Manches fand ich in diesem Artikel wieder, wenn auch in einer anderen sprachlichen Verpackung.  Besonders freut mich, dass hierdurch nun  endlich den überflüssigen Einschätzungsskalen zur Dekubitusprophylaxe jeder  Nährboden entzogen wird. 

Doch lesen Sie selbst - hier                     

Der unkritische Umgang mit allem was von „oben“ kommt ist wirklich ein ganz besonders Phänomen in der Pflege. Anders ist es gar nicht erklärbar, wie es kommt, dass sämtliche Fachmedien und Experten auf diese Standards zunächst reagierten,  wie auf das Amen in der Kirche.  Was aus der Wissenschaftsschmiede kommt ist Gesetz. Ob Berufsverbände, Fachpresse, Dokufirmen – fast  alle die Rang und Namen hatten, stürzten sich damals auf den Dekubitusprophylaxestandard, als würde dieser die Erlösung bringen. Nur in der Praxis schüttelten viele verständnislos den Kopf. Ich fühlte mich bei diesem ganzen Rummel erinnert an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ und fragte mich, wie lange es wohl dauern wird, bis der Kaiser seine Nacktheit selbst bemerkt. Auch nach diesem Artikel frage ich mich das immer noch.   

Es würde mich sehr wundern, wenn dieser Beitrag den notwendigen Anstoß zu einer fruchtbaren, kritischen Auseinandersetzung auf Wissenschaftsebene bringen sollte.     Eines der Hauptprobleme welches  ich in der Pflege sehe, und zwar durchgängig  durch  alle Ränge, ist die mangelnde Kritikfähigkeit. So wie der kritische Patient als Störenfried erlebt und abweisend behandelt wird, eine kritische Pflegekraft rausgemobbt wird und jeder der nicht mit dem bestehende Konform gehen will, links liegen gelassen wird, geht man auch mit kritischen Äußerungen gegenüber vermeintlich wissenschaftlichen Schriften um. 

Ich bin wirklich sehr gespannt ob dieser Beitrag in der Pflegezeitschrift die  längst fällige Auseinandersetzung bringen wird, so dass am Ende tatsächlich  über das Thema Expertenstandards neu entschieden werden kann. Wenn nicht, entscheidet die Praxis wie mit diesen Standards verfahren wird. Denn  die Pflegebasis  hat ganz andere Probleme, als sich um die korrekte Implementierung von Expertenstandards zu kümmern. Spätestens ab dem 10 Expertenstandard, werden auch die bemühtesten Pflegedienstleitungen erkannt haben, dass es ohnehin keinen interessiert, ob die vermeintlich wissenschaftlichen Leitlinien beachtet werden oder nicht. Wenn man sieht, was in den Heimen größtenteils abläuft, was dort wichtig und unwichtig genommen wird, dann kann man diese Standards heute schon als  gestorben bezeichnen.  

Weitere Stellungnahmen zum fragwürdigen Nutzen dieser Standards

Nationale Expertenstandards garantieren vor allem mehr Bürokratismus 

Zum tatsächlichen Nutzes des Expertenstandard Dekubitusprophylaxe 

Ergebnis einer Umfrage   

Entbürokratisierung  in der Pflege : Ansatzpunkte die gerne übersehen werden

Neu:  08.01.2008 - BZ Bericht - u.a. mit kritischen Bemerkungen eines Pflegewissenschaftlers  zum Unsinn der Einschätzungsskalen des Deku-Risikos. 

Da der Expertenstandard mit seinen rund 50 Seiten wichtige inhaltliche Fragen zur Dekubitusprophylaxe unbeantwortet lässt aber dennoch in der Praxis sicher gestellt werden muss, dass alles Notwendige getan wird und alle Pflegekräfte einer Einrichtung wissen, was, wann konkret zu tun ist, bedarf es auch weiterhin eines Praxisstandards Dekubitusprophylaxe.


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